Preisverhandlungen sind sowohl im Verkauf als auch im Einkauf ein wichtiges Instrument, das ĂŒber die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens entscheiden kann. Der GeschĂ€ftsmund (abgeleitet von Volksmund) besagt, der Gewinn liegt im Einkauf. Faire Verhandlungsstrategien auf den Seiten der EinkĂ€ufer und der VerkĂ€ufe fĂŒhren oft zu einer Einigung. Einseitig gefĂŒhrte Preisverhandlungen, in denen z.B. eine Marktmacht bzw. Marktpositionierung ausgenutzt wird, um Druck auszuĂŒben, können nach hinten losgehen. Viele Verhandler fĂŒhlen sich bei Preisverhandlungen unsicher, hinsichtlich der Grenzen und der Verkaufspsychologie. Die richtigen Verhandlungsstrategien kombiniert mit einer guten Vorbereitung helfen dabei, AbschlussgesprĂ€che selbstbewusst und erfolgreich zu gestalten. Dieser Artikel zeigt auf, wie Sie Preisverhandlungen erfolgreich gestalten und ĂŒberzeugen, im Video-Call, per E-Mail-Kommunikation, telefonisch oder im persönlichen GesprĂ€ch.
Autor: Thomas W. Frick (LinkedIn-Profil / Xing-Profil)
Warum sind Preisverhandlungen so wichtig?
Die folgenden Punkte zeigen auf, welche Vorteile ein Unternehmen hat, dessen Mitarbeiter in der VerhandlungsfĂŒhrung gut geschult sind:
- StÀrken des Images und des GeschÀftsgebarens, denn wie verhandelt wird, spricht sich im Markt herum.
â - Erhalt von vorteilhafte Konditionen durch Nutzung des Verhandlungsspielraums.
â - Kundenbindung kann schon mit Preisverhandlungen erzielt werden, zur Förderung einer langfristigen Kunden- oder Lieferantenbeziehung.
â - Wie schon eingangs erwĂ€hnt, der Gewinn wird vom Einkaufspreis direkt beeinflusst.
â - Unklare Verhandlungspositionen können direkt erklĂ€rt werden, um MissverstĂ€ndnisse zu vermeiden.
â - Faire Preisverhandlungen im Sinne von Win-Win bauen Vertrauen auf.
Wichtiger Skill: Effektive und verhandlungsstarke Unternehmensvertreten, helfen dabei, die Marktpositionierung eines Unternehmens zu stĂ€rken. Verhandlungen erfolgreich und fair fĂŒhren zu können, ist eine wichtige FĂ€higkeit fĂŒr alle Mitarbeiter mit Verkaufs- oder Einkaufskontakten, um den langfristigen Unternehmenserfolg sicherzustellen.
Wie können Sie sich auf Preisverhandlungen vorbereiten?
Folgende Vorbereitungsschritte geben Verhandlungssicherheit und erhöhen die Erfolgswahrscheinlichkeit, sein Verhandlungsziel zu erreichen:
Wie wird die Preisverhandlung mit einer Bedarfsanalyse unterstĂŒtzen?
- Recherchieren Sie möglichst viele Informationen ĂŒber Ihren Verhandlungspartner, persönlich als auch beruflich relevante HintergrĂŒnde.
â - Splitten Sie Ihr Verhandlungsziel in konkrete Anforderungen und Mindestziele auf.
â - Aktuelles Wissen stĂ€rkt die Verhandlungsposition. SchĂ€tzen Sie Ihre Position, im Vergleich zum Wettbewerb realistisch ein (Preise, Leistungen, Aktionen).
â - Eine fundierte Kalkulation im Vorfeld gibt Verhandlungssicherheit und macht den Verhandlungsspielraum transparent.
Wie kann eine Argumentationsstrategie bei Preisverhandlungen aussehen?
- Gewichten und priorisieren Sie Ihre Einkaufs- oder Verkaufsargumente und ĂŒberlegen Sie sich im Vorfeld, welche Argumente fĂŒr Ihren Verhandlungspartner am relevantesten und interessantesten sind.
â - Strategien simulieren schon im Vorfeld mögliche EinwĂ€nde bzw. Vetos und bereiten vorausschauend eine Einwandbehandlung vor.
â - Wer seine Minimal- und Maximalziele kennt, kann selbstsicher verhandeln.
â - Wenn ein unerwartetes, jedoch ĂŒberzeugendes Argument vom Verhandlungspartner kommt, wo liegt Ihre Schmerzgrenze?
Wie lÀsst sich der Verhandlungsspielraum erweitern?
- Hinterfragen Sie so frĂŒh als möglich die Investitionsbereitschaft auch in Bezug auf die Preisregionen, des Budgets bzw. der preislichen Vorstellungen.
â - Desto individuelle Sie Ihre Einkaufs- oder Verkaufsargumente anpassen, desto authentischer und erfolgreicher wird sich das VerhandlungsgesprĂ€ch entwickeln.
â - Nutzen Verhandlungsbausteine, wie z.B. Lieferzeiten, Serviceleistungen, QualitĂ€tsunterschiede oder die Vertragsdauer, um mit den Verhandlungsrahmen zu erweitern.
â - Wer sich gut vorbereitet hat, kennt seine Verhandlungsziele und Verhandlungsgrenzen genau und kann auch spontan KreativitĂ€t und FlexibilitĂ€t im VerhandlungsgesprĂ€ch zeigen.Â
Wie kann eine Nutzenargumentation in Preisverhandlungen aussehen?
Es gibt viele Möglichkeiten, den Nutzen zu argumentieren, z.B. mit der Wenn-Dann-Methode oder mittels den Vergleichen zwischen Ursache und Wirkung, bzw. Problem und Lösung. Eine weniger bekannte Strategie ist die FAB-Methode (Feature, Advantage, Benefit) und lÀsst sich wie folgt erklÀren:
- Die Argumentationsstufe Feature bzw. Merkmal, beschreibt spezifisches Funktionen, Sachmerkmale bzw. Eigenschaften eines Produktes, bzw. einer Dienstleistung.
â - Auf der Ebene Advantage bzw. Produktvorteil, wird erklĂ€rt, worin der Vorteil der Eigenschaft, Funktion bzw. des Sachmerkmals besteht.
â - Zuletzt wird mit Benefit der Kundenvorteil erklĂ€rt, sprich der Produktvorteil auf die Perspektive des Kundens gewandelt.
Beispiel: Wir haben eine qualifizierte B2B-Reichweite und eine Leserschaft mit geschĂ€ftlichem Interesse (Feature). Dies fĂŒhrt zu einem geringen Streuverlust, so dass Ihre Zielgruppe auch wirklich erreicht wird (Advantage). Dadurch gewinnen Sie Investitionssicherheit, erhöhen die Erfolgswahrscheinlichkeit und wissen, dass Ihr Marketingbudget zu einer qualifizierten Leadgenerierung fĂŒhren kann. (Benefit)
Welche Techniken und Strategien gibt es fĂŒr das VerhandlungsgesprĂ€ch?
Nach einer professionellen Vorbereitung sind Sie bestens gerĂŒstet, um die Preisverhandlungen in folgenden Etappen und mit folgenden Verhandlungstechniken durchzufĂŒhren:
Wie lÀsst sich eine positive GesprÀchsatmosphÀre schaffen?
Mit Freundlichkeit und Höflichkeit punkten Sie immer, sofern Sie es nicht ĂŒbertreiben, und der Verhandlungspartner meint eine âSchleimspurâ zu erkennen. Je nach Verhandlungspartner, kann ein zu emotionaler GesprĂ€chseinstieg kontraproduktiv sein, wenn das Vertrauen und die Sympathien noch nicht geweckt sind. Gleichzeitig sollten Sie jedoch nicht zu sachlich und rationell in das GesprĂ€ch starten. Folgende Tipps geben wir fĂŒr den GesprĂ€chseinsteig mit:
- Vermeiden Sie extreme, negative oder emotionale Bemerkungen, wie z.B. das hat aber lange gebraucht, bis wir den Verhandlungstermin ansetzen konnten.
â - Trennen Sie die Beziehungsebene von der Sachebene mittels neutraler WertschĂ€tzung.
â - Bei einer bestehenden GeschĂ€ftsbeziehung können Sie, da Vertrauen schon aufgebaut ist, und man sich gegenseitig bekannt ist, etwas lockerer in die Preisverhandlung gehen, jedoch immer gut vorbereitet!
â - Sofern sich die Verhandlungspartner noch nicht kennen, ist es von Beginn an wichtig, die Körpersprache und die Art des Sprechens zu analysieren, um anhand der Beobachtungen, den Menschen richtig einschĂ€tzen zu können.
â - Auch, wenn bekanntlich âKleider Leute machenâ, beurteilen Sie den Verhandlungspartner nicht aufgrund seines ĂuĂeren. Beispiel: Ein uns bekannter IT-Leiter testet gerne die Menschlichkeit seiner Terminpartner, indem er sich sehr leger kleidet, in einem Konzern arbeitet und untypisch auftritt. Dabei hat er fĂŒr technologische Themen das letzte Wort hat und muss sich zudem an keine Budgetgrenzen vom Management halten. Er berichtet immer wieder, das viele Vertriebsmitarbeiter im Eingangsbereich des Unternehmens an ihn vorbeigehen, ohne ihn zu grĂŒĂen und sich viele bei GesprĂ€chsbeginn dafĂŒr entschuldigen.
â - Konzentrieren Sie sich auf die persönlichen BedĂŒrfnisse des Verhandlungspartners anstatt nur auf die potenziellen und rationellen Vorteile des Unternehmens.
â - Bleiben Sie selbstbewusst und werden Sie nicht bei der ersten Frage nach einem Rabatt schwach.
Wie platziert man am besten das erste Angebot als Verhandlungsgrundlage?
Das erste Angebot sollte gut durchdacht und der Verhandlungsrahmen gesetzt sein. Sofern der Verhandlungspartner nicht unruhig oder sogar genervt scheint, prÀsentieren Sie stolz Ihr Angebot und vermitteln Sie dabei, dass es sich um ein gutes Angebot handelt.
- Vermeiden Sie, selbst bei Stillschweigen des GegenĂŒbers, unaufgefordert die Bereitschaft fĂŒr PreisnachlĂ€sse zu gewĂ€hren.
â - Oft geben Vertriebsmitarbeiter unnötig PreisnachlĂ€sse oder machen riskante ZugestĂ€ndnisse.
â - Konzentrieren Sie sich stets auf die StĂ€rken und die QualitĂ€t Ihres Angebotes.
â - Sichern Sie Ihr positives Mindset, indem ein gĂŒnstiger Preis nicht immer fĂŒr QualitĂ€t steht.
â - Fokussieren Sie sich auf den Mehrwert Ihres Angebotes.
â - Wenn Sie den gewĂŒnschten Preis nicht erreichen, bieten Sie zusĂ€tzliche Leistungen oder Zugaben an, anstatt den Preis zu senken.
Wie gelingt es, die QualitÀt und die Mehrwerte in den Mittelpunkt zu stellen?
Im Vertrieb kommt der Erfolg mit der QualitĂ€t der Ăberzeugungskraft, ohne dabei aktiv ĂŒberzeugen zu mĂŒssen, sondern selbst vom Produkt oder der Dienstleistung begeistert zu sein. Die BegeisterungsqualitĂ€t alleine fĂŒhrt jedoch nicht zum Erfolg. Die wichtige Zugabe ist Kommunikationsgeschick und die Priorisierung der Inhalte im Rahmen der Preisverhandlung. Folgende Tipps helfen dabei weiter:
- Konzentrieren Sie sich auf die alleinstelllendene Vorteile, anstatt mit Standards oder mit SelbstverstÀndlichkeiten zu argumentieren.
â - UnterstĂŒtzen Sie die GlaubwĂŒrdigkeit Ihres Preises, indem Sie erklĂ€ren, welche GrĂŒnde, Philosophie und, auf den ersten Blick nicht sofort ersichtliche Argumente, den Preis rechtfertigen.
â - Konzentrieren Sie sich auf die individuellen BedĂŒrfnisse des Verhandlungspartners
â - Heben Sie sich von der Konkurrenz ab, ohne diese dabei schlecht zu machen. Achten Sie jedoch darauf, dass die Konkurrenz nicht zu viel Gewicht im VerhandlungsgesprĂ€ch bekommt. Dies gelingt Ihnen, indem Sie einzelne Wettbewerber nicht namentlich erwĂ€hnen und sogar die FĂ€higkeit zur Konkurrenz infrage stellen, indem Sie von Marktbegleitern sprechen.
â - Priorisierungen Sie Ihre Argumente je nach Interessenslage.
Beispiele: GrundsÀtzliche Interessen, wie z.B. Investitionssicherheit, Langfristigkeit, Kosteneinsparung, Zeitersparnis, Vereinfachung oder Nachhaltigkeit helfen bei der Priorisierung.
â - GesprĂ€chsfĂŒhrung mittels Fragetechniken, helfen dabei, die Preisverhandlung in die richtige Richtung zu lenken und im Idealfall, den GesprĂ€chspartner die Argumente entdecken und aussprechen zu lassen.
Beispiel: „Wenn Sie Ihre gesamte Erwartungshaltung und PrioritĂ€t auf ein bis drei Punkte zusammenfassen mĂŒssten, was ist Ihnen besonders wichtig?“
Strategische Pausen und Salamitaktik im VerhandlungsgesprÀch
Strategisches Schweigen kann oft Wunder bewirken und ein Taktstock im VerkaufsgesprĂ€ch sein. Strategische Pausen geben dem GegenĂŒber Zeit, den Verhandlungsverlauf zu reflektieren, Abstand von seinen Ursprungsargumenten zu nehmen, um darauf basierend ein Entgegenkommen entwickeln zu können.
Die Salamitaktik funktioniert relativ einfach, indem Sie StĂŒck fĂŒr StĂŒck kleine Forderungen stellen, um zusĂ€tzliche Vorteile zu erzielen. Kleinere ZugestĂ€ndnisse zu erhalten ist einfacher, als alle Vorteilen auf einmal. Verteilt ĂŒber die gesamte Preisverhandlung, erhöht die Salamitaktik die Wahrscheinlich, dass Sie möglichst viel von Ihren Forderungen durchgesetzt bekommen. Wichtig hierbei ist es, um keine MissverstĂ€ndnisse aufkommen zu lassen, wĂ€hrend des GesprĂ€ches die Verhandlungserfolge festzuhalten, als Wiederholung auszusprechen und sich auch, wenn angemessen, dafĂŒr zu bedanken.
Tipp: Wir wĂŒnschen viel Erfolg bei der Umsetzung dieser Vorbereitungsschritte und weisen darauf hin, dass eine ausgewĂ€hlte Verhandlungsmethode, zur jeweils verhandelnden Person passen muss. Z.B. gibt es in der Verhandlungstiefe eine Angenommen-Taktik oder die Seilzug-Technik, die wir als legitim erachten, uns jedoch von der Ja-Schiene, als Verhandlungstaktik distanzieren.Â
Unterschiedliche Rollen bei Preisverhandlungen im B2B-Bereich
- Der Vertriebsmitarbeiter fĂŒhrt die ersten Verhandlungsschritte und diese auch oft zu Ende bei Standardkunden.
â - FĂŒr gröĂere Kunden und damit oft verbundene GroĂauftrĂ€ge ist oft ein Key-Account-Manager verantwortlich.
â - Den klaren Auftrag zur Preisreduktion und Experten zur Konditionsverhandlung finden sich in der Einkaufsabteilung.
â - Bei strategischen, politischen oder andersartig sich lohnenden SonderauftrĂ€gen wird oft die GeschĂ€ftsleitung integriert.
â - FĂŒr die Finanzierung, Projekten und die Details fĂŒr zur Zahlungsabwicklung wird oft die Finanzabteilung dazu geholt.
â - Im technologischen Investitionsumfeld werden oft die technischen Leiter hinsichtlich der Machbarkeit und Umsetzung integriert.
Wie sieht eine professionelle Nacharbeit von Preisverhandlungen aus?
- Reflexion und schriftliche Festhaltung der wichtigsten geklĂ€rten und evtl. offenen Punkte, zur Vorbereitung auf zukĂŒnftige GesprĂ€che, Verhandlungen oder evtl. Nachverhandlungen und Kundenreklamationen.
â - Eine kritische Analyse von sich selbst, hinsichtlich der eingebrachten StĂ€rken oder unscharfen Formulierungen bzw. den zwischendurch entstandenen Spannungen, sollte selbstverstĂ€ndlich sein, um sich stetig zu verbessern.
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